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Adrian Locher | 13. Februar 2007 0:06 | Kategorie Business

Second Life

Logo Second Life

Im Auftrag eines Kunden zwecks Findung und Evaluierung von Business Cases zur Vermarktung von Content aus Web-Portalen, habe ich mich heute einen Tag lang auf der momentan stark gehypten Plattform Second Life umgesehen. Die Learnings in Kurzform:

  • Nach der Anmeldung und dem Download des Software-Clients braucht es erst einmal etwas Angewöhnungszeit, denn die Usability sowie auch das Handling des Charakters in der 3D-Welt lassen teilweise etwas zu wünschen übrig.
  • Der erste Eindruck, wenn man sich durch Second Life bewegt: es handelt sich hier um einen überdimensionalen Chat-Raum. Second Life ist aber mehr einerseits, andererseits aber eigentlich auch nicht viel mehr.
  • Mehr weil die Möglichkeit, mit einer sehr mächtigen 3D-Engine Gegenstände wie Kleider, Accessoires und sogar Immobilien oder Autos vom Benutzer mit der nötigen Übung und Geduld selbst kreiert werden kann. Gerade in dieser Form gibt es viele Leute die in SL bereits ihren Lebensunterhalt bestreiten (Architekten, Designer, etc.)
  • Und nicht viel mehr, weil schlussendlich das ureigene Bedürfnis aller User in erster Linie in der Kommunikation und Interaktion mit anderen Usern zu suchen ist. Ein Grossteil der Umgebung und Möglichkeiten dient also lediglich dem „Enabling“ und der besseren Visualisierung dieser Kommunikation. Aus einer kritischen Betrachtungsweise lässt sich also die Frage stellen, wieso es die gesamte, sehr aufwändige Umgebung überhaupt braucht. Zumal gerade die zahllosen, sozusagen unendlichen Möglichkeiten mit der eigenen Umgebung zu interagieren, ja sich im eigentlichen Sinne selbst darzustellen enorm viel Zeit vom Benutzer abverlangt.
  • Dass die Plattform aber trotzdem ganz offensichtlich sehr viele Anhänger findet, zeigt ein Blick in die Statistiken, in die Daten des Second Life Census: Die etwas über 3 Mio. angemeldeten User (Stand Januar 2007) stammen primär aus den USA (31.19%), Frankreich (12.73%) und Deutschland (10.46%). Aus der Schweiz stammen lediglich 1.29%. Interessant ist aber auch die Streuung über die verschiedenen Generationen: während die zweitgrösste (18-24 Jahre, 27.46%) sowie die grösste Gruppe (25-34 Jährige, 38.78%) nachvollziehbar sind, erstaunt doch sehr, dass die Gruppe der 35-44 Jährigen doch immerhin 21% ausmacht. Welche andere, mehrheitlich spass-orientierte Social Community kann das schon von sich behaupten..?
  • Sex sells! Die alte Weisheit bestätigt sich auch auf SL in vielfältiger Form immer wieder: Die Orte und Plätze rund um das Thema Sex gehören zu den mit grossem Abstand meistfrequentierten Zonen des Spiels. Nirgendwo sonst finden sich pausenlos so viele und vor allem sehr kontaktfreudige Protagonisten. Die Locations werden grösstenteils von Unternehmen aus dem Bereich Online Adult Entertainment betrieben und bieten dem Besucher Videos und Trailer, Bekleidung und Accessoires (die sich der oder die Protagonist/in natürlich auch anziehen kann), Spielzeuge etc.
  • Aber auch diverse grosse Weltkonzerne wie IBM, Sony, REUTERS u.ä. (vollständige Liste) haben denn Reiz von SL entdeckt und eigene Residenzen und Repräsentationssitze eingerichtet. Sie bieten dort Waren und Dienstleistungen, zu einem grösseren Teil kostenlos, an. Ihre Intention ist also weniger das direkte generieren von Umsätzen als vielmehr das schaffen von Brand Value und Image-Werbung.
  • Mit AvaStar gibt es für die Bewohner von Second Life auch bereits eine ständig aktualisierte Newsplattform und Tageszeitung im Stil der deutschen Bildzeitung, herausgegeben durch den Springer-Verlag (aktuellste Ausgabe).

Business Cases zur Vermarktung und/oder Promotion von Web-Content

  • Kauf von Land und Bau eigener Immobilien inklusive frei gestaltbarer Umgebung zur dynamischen Einbindung von Content in Form von Videos, Classified Ads, Text, u.ä.
  • Videos und Werbe-Content als Tafeln, Würfel u.ä. durch Miete einer Stellfläche (an guten Lagen)
  • Avatar (angemeldete Person/en) und aktives One2One Marketing
  • Werbung in AVASTAR (Bild.T-Online.de)
  • Ladenfläche in Shopping Mall mieten
  • Möglichkeit Videoscreens auf fremden Plätzen aufzustellen (Affiliate-Systeme)
  • Werbeplatzierung in „AD the HUD“ (Ort wo SL-Benutzer Geld verdienen können, indem Sie sich Werbung anschauen)
  • Einbindung von Internet-Affiliate-Systemen (wie beispielsweise das von Amazon) in einen Second Life Store (Case zu einem kleinen Londoner Verlag, der dies umgesetzt hat)
  • Werbung (Affiliate-System) über AdBoard

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