Einträge mit Tag "Business am Wochenende"

Adrian Locher | 13. April 2009 15:57 | Kategorie Adrian's

2. Startup Weekend in Zürich

image startup weekend

Mitte Januar hat die zweite Ausgabe des durch Philippe initiierten Startup Weekends stattgefunden, wie man auch Philippes Blogpost darüber entnehmen kann.

Und wie auch schon beim ersten Event im letzten Sommer, fand auch dieses Mal nicht nur Kopfarbeit in heissen Fragerunden und spannenden Business Case Vorstellungen statt. Denn nach den Case-Diskussionen welche in Zürich am Sitz der Nine Internet Solutions AG (unserem preferred Hosting Partner) stattgefunden hat, gings schnurstracks in die Berge nach Interlaken. Chauffiert vom Outdoor Interlaken Bus (Productplacement ich weiss – Philippe wird mir dafür sicherlich was bezahlen, ein Gipfeli oder so..) durch Beni, fuhren wir also aufs Lobhorn zum Fondueessen und Nachtschlitteln. Ein wirklich schönes Erlebnis und wärmstens weiterzuempfehlen!

Die Cases dieses Mal (in Form meiner Notizen als Stichworte):

eat.ch, vorgestellt durch den Gründer Reto Graf
- Geschäftsmodell weltweit erfolgreich, pizza.de (DE) und seamlessweb (USA) als mitunter grösste Player
- planen Innovation mit spezieller Integration ihrer Händler, mehr dazu darf aber derzeit noch nicht gesagt werden
- von 100 Kunden (also Lieferdiensten) zahlen 90 die Rechnung, Zahlungsmoral also eigentlich ganz i.O.
- Kreditkartenzahlungsfunktion und Gruppenbestellung als neue Feature geplant
- Antwort von Reto auf die Frage nach der Zahl der täglichen Bestellungen: “Das sind so Zahlen die ich immer wieder vergesse..”
- Diskussion um sinnvolle Marketingkonzepte: Karim schlug Radiowerbung vor, Dominik Adwords, Christian Bertschy schlug vor, die Kuriere als Partner einzusetzen welche die Plattform promoten.

bus2alps.com, vorgestellt durch den Gründer Jon Fauver
- spannendes Modell: Busreisen in Europa für eine extrem genau definierte Zielgruppe: amerikanische Austauschstudenten
- Florenz war dabei der erste und immer noch grösste Hub, weil dies die beliebteste Destination der wohlhabenderen Ostküsten-Studis für ein Austauschsemester ist
- weitere Destinationen momentan: München, Wien, Griechenland, Amsterdam, Interlaken etc.
- spannend auch: sie nutzen das Konzept des Botschafter-Marketings und machen Peer-to-Peer-Vertrieb (da hat also die Vorstellung von smaboo im Sommer am ersten Startup Weekend nachhaltige Wirkung hinterlassen)

nimax GmbH, vorgestellt durch den Gründer Dominik Schwarz
- Dominik, den ich schon seit HSG-Zeiten kenne, hat wohl die beeindruckendste, weil auch schon am längsten fortgeschrittene Story erzählt: sein Unternehmen nimax mit den mittlerweile drei Nischen-Shops in den Bereichen Astronomie (astroshop.de), Optik (optik-pro.de) und Globen (globen-und-karten.de) macht einen mittleren einstelligen Millionenbetrag (in Euro) Umsatz und beschäftigt mittlerweile 40 Mitarbeiter, 25 davon Vollzeit
- 60-70′000 Kunden
- USP: Kompetenz im Bereich Produkte und Sortiment, v.a. aber Service, Qualität und persönliche Beratung
- sie haben immer 3 Berater welche telefonisch erreichbar sind
- sie haben mehr als 10′000 Produkte, 650 davon an Lager, der Rest on demand
- ausgeklügeltes Liefermodell zwischen eigener Lagerhaltung und Versand in ihrem Namen durch Importeure
- eine ganz spannende Geschichte: trotzdem sie eine Qualitätsführerschaft anstreben, bieten sie eine Preisgarantie, d.h. falls jemand ein Produkt irgendwo anders günstiger findet, kriegt er die Differenz bezahlt. Dies zahlt sich aus, weil dies von den wenigsten Kunden in Anspruch genommen wird, einfach weil es tatsächlich die wenigsten interessiert.
- Navigation als ein ganz wesentliches Feature für den Erfolg: haben sie sich bei OTTO und QUELLE abgeschaut, was ja auch sinnvoll ist weil das Rad nicht neu erfunden werden muss
- Was die Zukunft bringen könnte: Community, Kunden-Vorteilsprogramm ähnlich amazon Prime, weitere Entwicklung der angefangenen Eigenmarke

Palisis, vorgestellt durch den Gründer Marc Wieland
- Marc kenne ich ebenfalls noch aus HSG-Zeiten
- ein extrem einfaches, aber überzeugendes Produkt: Ticketsystem mit welchem Tickets vor Ort direkt ausgedruckt werden können und gleichzeitig die Administration über eine Webplattform läuft
- erste Anwendungsgebiete: Betreiber der kleinen Touristenzüge, Fähren, kleinere Vergüngungsparks.
- Anekdote: die angesprochenen Schweizer Kunden fragen immer danach, ob sie nun endlich die MwSt einfacher abrechnen können währenddem die angesprochenen französischen Kunden zuerst danach fragt, wie er denn die MwSt umgehen könnte bzw. wo denn das Feature für die schwarze Kasse ist..

wuala.com, sollte eigentlich durch Dominik Grolimund vorgestellt werden, dieser durfte dann aber aufgrund unterschriebener LoI’s für eine Finanzierungsrunde nichts sagen und wurde durch Andi Brenner vertreten. Update: Der Grund dürfte hier unter anderem an den Vorbereitungen des Deals mit LaCie gelegen haben..

Update 2: Und schon wird die Dritte Edition des wirklich genialen Events bekanntgegeben. Das nächste Event findet, wie Philippe letzte Woche angekündigt hat, am 8. August 2009 in Bern statt. Mehr Infos gibts auf der Event-Seite bei amiando.



Adrian Locher | 25. Januar 2009 15:36 | Kategorie Adrian's, Business

Die Gretchenfrage im Web 2.0: Wo gehts hier denn bitte lang zum Geschäftsmodell?


David Heinemeier Hansson, Schöpfer des Ruby on Rails Framework und Gründer von 37signals, hat zum Thema Geschäftsmodelle im Internet an der Startup School 08 eine geniale Speech gehalten. Das ist schon etwas länger her, April 2008, um genau zu sein. Ich behaupte aber jetzt einfach mal, dass die Aktualität des Themas in den vergangenen 8 Monate nochmals um Sphären gestiegen ist. Und manch einer der wohl damals noch schmunzelnd zugeschaut hat, und sich gedacht hat, “ach was mit meiner tollen, weil super targeted Community verdiene ich dann schon Geld – wenn sie nur gross genug ist”, wird sich wohl langsam aber sicher was neues ausdenken.

Meine persönliche Prognose für das 2009 als superheftiges Konsolidierungsjahr für all die Geschäftsmodelle welche darauf basieren, dem Benutzer über Werbefinanzierung einen Dienst gratis zur Verfügung zu stellen, steht sowieso schon länger. Denn der Gegenbeweis, dass es im grossen Rahmen funktioniert, fehlt für mich einfach immer noch. Und die vermeintlichen Modelle die funktionieren, tun dies auch nur auf den ersten Blick: Facebook ist eine tolle App und macht einen dreistelligen Millionenbetrag an Umsatz, gibt aber auch mindestens genauso viel auch wieder aus. Robert Basic hat dazu mal die treffende Frage gestellt: “Welche Firma auf der Welt gibt es, die über 100 Millionen Kunden hat und nicht so genau weiss, wie damit Geld zu verdienen?” Ich warte darauf, wann FB beginnt den Status eines “Premium Users” einzuführen.. Skype produziert – trotz gigantischer Benutzerzahlen – nun wahrlich auch keine goldenen Zahlen und erfüllt schon gar nicht die Erwartungen, die eBay beim Kauf da reininterpretierte.

Welche Beispiele gibt es, die zeigen, dass ein indirektes Finanzierungsmodell funktioniert?

Und auf der anderen Seite stehen die Beispiele für Applikationen für die Benutzer bereit sind zu zahlen und die entsprechend schnell wachsen. Für mich sind die zwei schillerndsten sicherlich XING für Europa und salesforce.com für die USA. Beides Tools die ich persönlich sehr intensiv nutze, sowohl privat als auch geschäftlich. XING produziert astronomische EBIT-Margen (die ja nun dank Börsenkotierung auch immer schön im Quartalsbericht einzusehen sind) und salesforce.com scheint es tatsächlich zu schaffen, den CRM-Markt langsam von hinten aufzurollen.

Anyway, um wieder zum besagten Vortrag zurückzukommen: David zeigt einen ganz einfachen Weg, wie das Problem

1. Produkt
2. ???
3. Profit

gelöst werden kann. Unbedingt sehenswert und neben dem Unterhaltungswert auch wirklich gespickt mit sehr vielen Learnings.

Sein Fazit: No rocket surgery!



Adrian Locher | 11. Oktober 2008 18:15 | Kategorie Adrian's, Business

Das Märchen vom Long Tail

longtail

Soeben habe ich im leider schon etwas lange liegengebliebenen Harvard Business Manager (August 2008 Ausgabe; die deutsche Version des HBR) einen sehr spannenden Artikel gelesen: Das Märchen vom Long Tail (Artikel offiziell bei HBM und hier als PDF bei nettraders24 gefunden).

Im Artikel beschreibt die Autorin Anita Elberse ihre eigene Studie zum Thema Longtail. Für ihre Studie verwendete sie die Daten von Nielsen VideoScan und Nielsen SoundScan und analyisierte die Nutzungsdaten des Videoverleihers Quickflix sowie dem Musikportal Rhapsody.

Und die Ergebnisse finde ich gelinde gesagt ernüchternd oder erschreckend – je nach Perspektive. So weist sie zweifelsfrei nach, dass die Theorie vom Long Tail von Chris Anderson im Ansatz zwar richtig, in der Schlussfolgerung jedoch grundfalsch ist. So wurde das Angebot durch die Onlinemärkte zwar zunehmend breiter, die Sortimente der Händler nahmen stark zu. Wenn man sich jedoch dann die Verkaufs- bzw. Nutzungszahlen anschaut, so wird schnell deutlich: Noch immer kann sowohl ein Produzent als auch ein Händler nur mit Bestsellern das grosse Geld verdienen. Der Long Tail wird wenn dann nur von Konsumenten nachgefragt, die auch die Bestseller nachfragen. Und der Long Tail ist zwar sehr lang geworden, dafür aber auch sehr sehr dünn. Ein Beispiel: Jeder vierte von Apple verkaufte Song wird nur ein einziges Mal verkauft.

Was gleich nochmals eine spannende Erkenntnis der Studie ist: Produkte aus dem Long Tail werden im Vergleich zu den Bestsellern auch noch schlechter bewertet. Und zwar von denselben Kunden welche wiederum Bestseller insgesamt besser bewerten.

Ich finde dieses Thema sehr spannend und erinnere mich an eine Diskussion welche ich mit einem Freund zum Thema Musik und Long Tail hatte. Ausgelöst wurde die Diskussion durch restorm.com, eine Plattform die auf ebendiesen Long Tail zum Thema Musik setzt. Grundsätzlich eine interessante Sache, ein möglichst breites, frisches Angebot an Musik in erster Linie von jungen Bands zu schaffen. Für mich persönlich ist Musik aber ein Kulturgut welches Menschen verbindet. Musikhören heisst für die meisten ein Zusammengehörigkeitsgefühl entwickeln, gemeinsam zu Konzerten zu fahren, über dieselbe Musik zu reden. Anderson nannte das den “Watercooler-Effekt”, d.h. den Austausch über bekannte TV-Serien am Arbeitsplatz beim Kaffeetrinken (oder eben Wasser). Und ich glaube nicht an dessen Ende.

Und selbstverständlich ist Long Tail für einen Händler per se mal die Möglichkeit, den “share of wallet” pro Kunden zu erweitern. Wenn wir von online reden und von 0-Lagerhaltungskosten ausgehen also im Grundsatz mal sehr spannend. Für einen Produzenten ist die Ausgangslage da schon schwieriger, denn er muss sich überlegen, ob er eine Kostenstruktur hinkriegt, mit welcher er ein geringes Volumen auch noch günstig produzieren kann.

Im Vergleich zu den Auswirkungen die Andersons’ als Buch herausgegebene These (entwickelte sich ebenfalls zum Bestseller) hatte, scheint es mir dass die Studie von Anita Elberse bisher noch sehr wenig Resonanz gefunden hat. Lediglich im Blogbeitrag von Daniel Niklaus auf internet-briefing.ch fand dazu eine Diskussion statt. Weshalb?



Adrian Locher | 3. Oktober 2008 20:20 | Kategorie Adrian's

Marc Faber zu den Steuergeschenken der USA

Eigentlich ist die aktuelle Situation an den Finanzmärkten ja wirklich nicht zum Lachen. Aber als ich den folgenden Text gelesen hatte, konnte ich es mir doch nicht ganz verkneifen.

Investment analyst and entrepreneur Dr. Marc Faber concluded his monthly bulletin (June 2008) with the following:

”The federal government is sending each of us a $600 rebate. If we spend that money at Wal-Mart, the money goes to China. If we spend it on gasoline it goes to the Arabs. If we buy a computer it will go to India. If we purchase fruit and vegetables it will go to Mexico, Honduras and Guatemala.
If we purchase a good car it will go to Germany. If we purchase useless crap it will go to Taiwan and none of it will help the American economy.

The only way to keep that money here at home is to spend it on prostitutes and beer, since these are the only products still produced in US. I’ve been doing my part.”



Adrian Locher | 29. Oktober 2006 15:46 | Kategorie Business

Business am Wochenende

Auch an diesem wunderschönen Herbstwochenende (Nachtrag: zumindest dem Samstag gebühren diese Worte) wieder: Business, Business, Business. Und weil ich vorletzte Woche in den Ferien war, wirds etwas länger..

“Gamen” in der Schule? Dies zumindest empfehlen zwei britische Studien. Wieso eigentlich nicht? Solange es nicht gerade Ego-Shooter mit Lehrern als Gegner-Avatare sind.. In diesem Zusammenhang auch immer wieder aktuell: Spielen am Arbeitsplatz erhöht die Konzentration und Leistungsfähigkeit, wie eine Studie der Universität Hamburg zeigt. Business Opportunity für SAP und andere Business-Software-Hersteller: Der Benutzer wird alle 2 Stunden mit einem obligatorischen Mini-Game unterbrochen. Wenn er den geforderten Benchmark nicht schafft, heisst das, Aufhol-Training. In der Freizeit versteht sich..

Die Schlacht Microsoft gegen die Schweizer Steuerbehörden ist geschlagen, Microsoft ist Sieger. Der Verlauf des Geplänkels zeigt deutlich; eines der gewichtigsten Argumente in der Entscheidung für oder gegen Open Source, stellen die Lock-in-Kosten dar. Dies bestätigen auch die Ergebnisse einer von SwissICT und ch/open/ durchgeführte Studie. Gemäss der Studie nehmen Unternehmen als wichtigste Vorteile die offenen Standards, die Community und der sich daraus ergebende Wissensaustausch bei Open Source Software wahr. Dazu passt auch, dass Gartner davon ausgeht, dass 70% der IT-Unternehmen bis ins Jahr 2008 auf OS-Datenbanken setzen werden.

Genial witzig und gehaltvoll zu lesen: Der VC Rondam Ramblings nennt die Top 10 Tech-Geek Mythen. Die besten in Kürze:
Myth #1: A brilliant idea will make you rich.
Myth #3: Someone will steal your idea if you don’t protect it.
Myth #5: Financial models are bogus.
Myth #9: The idea is the most important part of my business plan.

“Geiz ist out beim Online-Shopping”, so der Titel eines Artikels auf heise.de. Wenn man den deutschen Markt kennt, so fällt es einem irgendwie schwer, die Ergebnisse der publizierten Studie nachzuvollziehen. Irgendwer scheint hier geschummelt zu haben. Es wird zwar richtig sein, dass der Preis als Entscheidungsdimension, aufgrund der sehr hohen Transparenz im Online-Markt und der daraus resultierenden geringen Preisspanne, tendenziell eine abnehmende Bedeutung hat. Dennoch kann davon ausgegangen werden, dass die Bedeutung noch immer sehr hoch sein muss, wie sonst liesse sich der Erfolg von Preissuchmaschinen und Vergleichsportalen erklären..

Schliesslich noch die originelle Meldung am Freitag von inside-it: Die hervorragende IT-Newsplattform will nicht mehr länger darben und verkauft ihre Journalisten-Dienste an mitteilungsbedürftige Unternehmen. Ich meine: Nun ja, wieso eigentlich auch nicht, ist wenigstens die ehrlichste Form. Und es würde mich interessieren, wieviel die “jubelnden Journalistinnen” kosten.

Und was würdet ihr mit 100 Mio. $ tun? Laut einem Bericht auf heise.de hat sich Jimmy Wales von der Wiki Foundation an die Wiki-Community gewandt. Spannende Frage, neben der natürlich noch offen ist, woher dieses Geld kommen sollte. Ich meine: Man kaufe das Hubble-Teleskop, um welches momentan gerade heftig beraten wird, und baue es zu einem Web2.0-tauglichen Spionage-Satellit um, der per Mashup auf die eigene Website eingebaut werden kann. Oder in openBC (tschuldigung, XING) implementiert wird.. Oder zur Kinderüberwachung eingesetzt werden kann..

Videos, the next big thing on the internet. In einem sehr spannenden Artikel auf BusinessWeek.com geht’s um Unternehmen und Startup’s im Bereich Internet-Video. Sowohl im Bereich der Übertragung/Synchronisierung, als auch in den Werbevermarktungs-Modellen scheint das Potenzial noch gewaltig. Dies haben natürlich nicht nur die Amerikaner, sondern auch Kunden der zimtkorn gemerkt. Deshalb sind wir momentan mitten in der Entwicklung von Plattformen und Tools im Bereich Videos und serverseitige Video/Flash-Generierung. Mehr dazu folgt bald an dieser Stelle.

Rechenzentrum auf hoher See oder sonst irgendwo auf der Welt, innert weniger Tagen “on Demand” betriebsbereit? Geht nicht? Gibts nicht. Zumindest wenns nach Sun geht, soll das in nächster Zeit möglich werden, durch ein Rechenzentrum, das in Frachtcontainern untergebracht ist, meldet inside-it.ch in einem Artikel.