Trotz des wunderbaren Wetters, hier mal wieder das allseits beliebte Format Business am Sonntag. Viele Wochen sind seit dem letzten entsprechenden Post schon wieder vergangen. Ja, und viel ist auch passiert seither. Die zimtkorn hat sich an der Sumatrastrasse in Zürich gut eingelebt, zahlreiche Projekte (papakannzahlen.ch, dropshop.de, panmundo.com, metropole-interlaken.ch, premium-cigars.ch, aviaxpert.com, spf-unisg.ch) konnten erfolgreich abgeschlossen werden. Viele neue stehen zudem in den Startlöchern, es seien nur einige Tätigkeitsfelder genannt: Internetplattform für die Kloten Flyers, Internetportal auf AJAX-Basis, neue Internetpräsenz für den Sardinien-Reiseanbieter Smeraldo-Tours, Online Collaboration Plattform auf der Basis von PLONE u.v.m. Daneben schreibt Lukas Wilhelm gerade seine LAP, wofür ihm an dieser Stelle alles Gute gewünscht sei.
Ein Thema, welches momentan die Onlinewelt aber auch die Umgebung um die zimtkorn beschäftigt, ist IPTV. Während Microsoft damit seine MSN- und wohl auch “LIVE”-Portale “aufpimpen” möchte, verfolgen vor allem auch Verlage (wie z. B. Jean Frey) extensive strategische Initiativen, um sich die Vorherrschaft auf diesem gerade erst entstehenden Markt zu sichern. Vorteile bietet IPTV viele, der wichtigste liegt meiner Ansicht nach in der Möglichkeit, der punktgenauen Ansprache gewisser Zielgruppen, welche für ein normales Broadcasting schlicht zu schmal sind. Ähnlich wie bei Podcasting gibt es auch hier wiederum verschiedene Distributionskanäle; das Spektrum reicht von one2many (Verlage) bis zu many2many (Sites wie z.B. youtube.com, swissregiotv.ch). Während die beiden letztgenannten Beispiele momentan noch eher mit niederschwelliger Qualität glänzen und als Ertragsmodell in erster Linie Werbeerträge vorsehen, so sind durchaus auch Pay-per-Use-Modelle in Planung oder bereits am Laufen (beispielsweise bluewin oder in einer etwas grösseren Form bei Bertelsmann). Dass der Markt hochspannend wird, versteht sich ja von selbst, 2010 rechnet Screen Digest mit weltweit 300 Mio. Nutzern (China und Indien ausgenommen). Wie sich die Entwicklungen abspielen könnten, zeigte die Diskussion an den Kurzfilmtagen in Oberhausen.
Wenn wir schon bei den “Grossen” sind, ein kurzes Update zu den Webby-Awards; die meisten der Gewinner finden sich in meiner am 19. April geposteten Hotlist: MoMA, Mercedes AMG, nerve.com, BeBopJeans. wonderbra und justcurio.us habens nicht geschafft, trotzdem finde ich die beiden Sites bemerkenswert, selbstverständlich aus jeweils sehr verschiedenen Gründen.
Und noch grösser wirds bei der News Corporation: Rupert Murdochs Mediengigant, der vergangenen Jahres mit Getöse und sehr viel Geld (560 Mio. $) die Social-Networking-Plattform myspace.com übernommen hat, scheint sich nun immer mehr aufs Netz zu konzentrieren. Gemäss einer heise-Meldung wird 2007 die Championship Gaming Series CGS ins Leben gerufen, eine Liga in der Online in verschiedenen Dispziplinen und Spielen um Geld, erwarteterweise sehr viel Geld, gekämpft wird. Die Spiele können dann sowohl über Internet als auch über spezielle Fernsehkanäle mitverfolgt werden..
Und nun nochmals eine Gewichtsklasse höher: Die Tänze von Microsoft muten momentan etwas bizarr an. Auf der einen Seite verkündet Ballmer, Microsoft würde seine Gegner auf lange Frist ausstechen, auf der anderen erfährt der interessierte News-Leser, dass Microsofts Unterfangen, sich einen Anteil an Yahoo zu sichern, gescheitert ist. Da scheint wohl doch jemand in die eigene Suchtechnologie noch nicht ganz so viel Vertrauen zu haben?
Nicht noch grösser, dafür aber einiges interessanter und weiter in die Zukunft gedacht: Entropia Universe, ein Online-Universum mit knapp einer halben Million Bewohner. Dass es sich dabei um etwas mehr als einfach nur ein Massive Multi Player Online Role Play Game (MMPORG) handelt, zeigt die heise-Meldung über den ersten Millionär in diesem Universum.
Da kommt mir unweigerlich die Aussage von Kjell Nordström (schwedischer Unternehemensberater) am Swiss Economic Forum vergangenen Freitag in den Sinn: “be fit or sexy”. Will heissen: Sei der Beste oder der Schönste, ganz nach dem Vorbild der Natur, wo laut Nordstrom ja auch der Pfau, welcher weder richtig fliegen noch richtig rennen könne, dank seiner überragendenden, abschreckenden Farbenpracht überlebe. Auch wenn (siehe Microsoft) in der Computerwelt wohl manchmal gilt, dass auch der Fetteste gewinnen kann. Genau das ist meiner Ansicht nach nämlich auch für das fitte Google noch immer eine latente Gefahr: gelingt es Microsoft wirklich ihre schon lange schreierisch angekündigten MSN- und Live-Portale in Zusammenhang mit Vista und der noch in Entwicklung befindlichen Destkop-Search-Engine durchzusetzen, so steht auch der momentane Branchenprimus Google sehr nahe am Abgrund. Man denke nur an das schnelle Dahinscheiden von AltaVista.. Auf der anderen Seite kann man, ganz im Sinne von Brin&Page (”Unmöglich ist nichts”) damit rechnen, dass den schlauen Köpfen bis dahin genügend Neues eingefallen ist.
A propos neu: Neu ist es ja nicht gerade, dass die Chinesen – auch kulturell bedingt – die absoluten Weltmeister in Sachen Kopieren sind. Neu ist aber, dass die Regierung, welche sich gegen aussen momentan mit vielen politischen Vorstössen in Richtung dichterer Regulatorien zum Schutz geistigen Eigentums profiliert, ihrem eigenen Kurs offensichtlich noch nicht ganz treu ist. So hat der zweitgrösste chinesische Telekomprovider jüngst einen Service namens RedBerry vorgestellt, rot-farbene Blackberry-Kopien als Handhelds, versteht sich von selbst. Pikant an der Sache ist an sich nur, dass der genannte Telekomprovider zur Mehrheit in Staatsbesitz ist.