smaboo bloggt fleissig // Don Alphonso rastet aus // Jugendmedientage live!
Wie man im smaboo-Blog nachverfolgen kann, wird nun mittlerweile auch bei smaboo fleissig gebloggt. Christoph in der Rolle des Chef-Bloggers bloggt in seinem letzten Beitrag von den Jugendmedientagen (kurz JMT) 2007 in Leipzig, wo ich gemeinsam mit ihm gestern ebenfalls anwesend war. Weitere Blogcoverage: politikorange.de.

Sehr spannend und auch streckenweise wirklich erkenntnisreich war die Podiumsdiskussion gleich zu Beginn zum Thema „Medien 2.0 – Möglichkeiten und Illusionen einer schönen neuen Medienwelt“, geführt zwischen Christoph Amend (Chefredaktor ZEIT Leben), Yadegar Asisi, Rainer Meyer (aka “Don Alphonso”) und Sebastian Olényi (Vorstandssprecher Jugendpresse).
Insgesamt ging es um den Einfluss der Web 2.0 Medien auf die klassische Medienwelt (wobei auch diese Abgrenzung meiner Ansicht teilweise schon schwierig ist – man denke nur an die enge Einbindung von Web-Usern beispielsweise in die Online- sowie auch Print-Ausgabe der FAZ). Für mein Empfinden wurde die Diskussion allerdings durch eine relativ starke Redepräsenz von Rainer Meyer zu stark in die Richtung “die armen Journalisten sterben aus oder “werden arbeitslos” weil die Verlage den Content immer näher an die Zielgruppe bringen um Werbung besser vermarkten zu können”. Natürlich stellt das Thema user-generated content den Journalistenberuf vor eine neue Herausforderung, da es durch das Medium Internet nun auch wirklich einer sehr breiten Masse möglich wird, sich medial breit gefächert zu äussern (und in Szene zu setzen). Die klassische Gate-Keeper-Funktion der Journalisten, welche Informationen die Bevölkerung erreichen soll, wird zunehmend aufgeweicht. Allerdings – und das hat Asisi mit einigen sehr guten Statements deutlich ausgeführt – hat bis jetzt jedes neue Medium Medienmacher und Journalisten bisher vor neue Herausforderungen gestellt und keines der “alten Medien” wurde durch ein neues verdrängt. Vielmehr drängte sich immer wieder eine Neu-Definition des Wirkungsbereiches auf. Und so ist es auch mit dem klassischen Journalismus, welcher durch das Internet und Web 2.0 wiederum einer Werthaltigkeitsprüfung unterzogen wird. So werden sich diejenigen Journalistenn und/oder Medien durchsetzen können, welche sich auf den wirklichen Mehrwert, den ein Printprodukt oder ein journalistisch hochstehendes Onlineerzeugnis, besinnen. Nämlich die sehr gut und tief recherchierte Hintergrundberichterstattung, welche schnell-drehende Plattformen mit user-generated content schlicht nicht leisten können.
Spannend war auch die Teilnahme des Publikums an der Diskussion per SMS-Chat-Wall, allerdings war die Beteiligung an der Paneldiskussion mit mündlichen Voten dann etwas dünn.
Sehr schade war allerdings das Ende der Podiumsdiskussion, wo sich Rainer Meyer in seiner Rolle als “Don Alphonso” vollkommen ins Abseits manövriert und für mich viel von seiner Glaubwürdigkeit verloren hat. Long Story Short: Christian und Oli wurden zusammen mit Don Alphonso auf einem Foto abgelichtet, worauf Don Alphonso völlig ausrastete. Der Grund seines Ausfalls liegt daran, dass er Christian in seiner Rolle als Projektleiter von schuelerVZ in seinem Blog blogbar.de mehrmals ziemlich massiv angegriffen hatte und wie ganz allgemein bekannt, studiVZ und schuelerVZ ja auch insgesamt stark kritisiert. Der Fotograf hatte sich also einen Spass draus gemacht, ein leicht provozierenes Foto fürs Album zu produzieren und Don Alphonso fand das gar nicht lustig. Für mich nicht wirklich nachvollziehbar, vor allem deshalb weil er den danach gesuchten Dialog vollkommen abgelehnt und sogar mit Abmahnungen gedroht hatte. Er wollte sich also gar nicht erst mit den Leuten persönlich auseinandersetzen, die er regelmässig regelrecht auseinander seziert hatte. Das ist für mich aber kein hochstehender Journalismus von welchem er Minuten zuvor in der Paneldiskussion geredet hatte. Vor allem wird durch dieses Verhalten auch seine teilweise extreme (polemische) Negativkritik allgemein der Web 2.0 gegenüber umso unglaubwürdiger als dass es eigentlich ja genau ebendiese war, welche ihm für seine öffentlich gemachte Kritik an studiVZ überhaupt so viel Platz geboten hatte und seinen Bekanntheitsgrad im Netz so ungemein erhöht hatte. Dazu ist auch zu bemerken dass einiges in seiner Kritik, die ja im Anschluss auch über einen Spiegel-Artikel entsprechendes Gehör fand, schlicht falsch oder mangelhaft recherchiert war, also ebenfalls nicht nur journalistische Höhenflüge darstellte. Zusammenfassend war seine Vorstellung in Leipzig einfach dessen nicht würdig was er sonst als “Hüter des Journalismus” von einer relativ hohen Warte aus proklamiert.










[...] Auf das etwas unschöne Ende nach der Podiumsdiskussion verweise ich an dieser Stelle nur auf den Post von Adrian im Zimtblog. [...]
Hei,
es heisst Vorstandssprecher der Jugendpresse Deutschland…
LG
S.
Interessanter Nachtrag an dieser Stelle: Sowohl den Trackback vom zimtblog als auch einen entsprechenden fragenden Kommentar im Artikel http://blogbar.de/archiv/2007/09/27/ratlos-nach-leipzig hat der gute Don Alphonso kommentarlos gelöscht. Das erinnert doch geradezu an die Diskussionskultur in totalitären Regimes – allerdings stehen Journalisten da ja meist auf der anderen Seite..
“ging es um den Einfluss der Web 2.0 Medien auf die klassische Medienwelt”
…. interessant wäre auch ein vergelich des zusammen-arbeitens der beiden medienwelten. während blogger oft die klassischen medien zitieren, geschieht dies umgekehrt sehr spärlich und vorsichtig. es scheint nicht angebracht, dass journalisten auf blogs verweisen, während es umgekehrt gang und gäbe ist. schade, denn beide seiten könnten voneinander profitieren.
dafür gehen presseerzeugnisse dazu über, pseudoblogs zu generieren, bei denen man sich noch registrieren, resp. anmelden muss, wenn man kommentare anbringen will. was wiederum viele echte blogger davon abhält. man will ja sich nicht überall registrieren, nur weil man für einmal einen kommentar anbringen will.
@a.l.: dann wird er dafür wohl auch einen grund gehabt haben. sein garten. und wenn ihm das gemüse nicht gefällt, dass du über den zaun wirfst, darf er es wegschaffen (und zum beispiel bei sakana verfüttern…).
“totalitäre regimes”, tss…also wirklich.
zum artikel: kann ich gut verstehen, dass er “ausrastet”. habt ihr eigentlich eine dunkle ahnung von der macht der bilder? wie das irgendwann dargestellt wird, kann ich mir sehr gut vorstellen, und dann auch noch etwas offensichtlich zu diesem zweck inszeniertes. ist überhaupt gar nicht einzusehen, warum man, nur weil man seine nase mal vor ein mikro gehalten hat, gleich freiwild ist für fotografen, der “sich also einen Spass draus gemacht, ein leicht provozierenes (sic) Foto fürs Album zu produzieren”.
ich sehe durch diese verweigerung auch nicht den unwillen, sich “also gar nicht erst mit den Leuten persönlich auseinandersetzen” zu wollen. der mag völlig anders begründet sein und ist auch legitim – warum sollte man?
trink doch erst mal ein käffchen mit dem wolfgang sch., mach ein bisschen smalltalk und frag nach dem befinden der werten familie, vorher brauchst du erst gar nicht kommen mit deiner meinung über vorratsdatenspeicherung. das wäre doch schon absurd, oder? besonders hier in einem medium, das zum einem grossteil von seiner anonymität lebt. (und glaub mir: im svz hört dich niemand schreien…)
@vert: Nene, sein Garten ist das nicht. Wenn er sich öffentlich darstellt und solch hohe moralischen Werte predigt, dann wirkt das äusserst unglaubwürdig und eben genau nicht nach diesen Werten handelnd.
Bezüglich Foto und dessen Verwendung: Naja, ich gehe mal davon aus, dass es in etwa zu ähnlich publikumsheischenden Zwecken eingesetzt würde, wie jeweils die Berichterstattung von D.A. in Sachen StudiVZ.